Microsoft Visual Basic
Visual Basic (Abk. VB) ist ein Sammelbegriff für verschiedene Programmierumgebungen der Firma Microsoft, die auf der Programmiersprache BASIC basieren und aus der MS-DOS-Anwendung QBasic hervorgegangen sind. Die mit VB erstellten Anwendungen laufen vornehmlich auf Microsoft-Plattformen. Der historische Erfolg von VB ist vor allem auf eine relativ einfach zu lernende Programmiersprache, eine visuelle Entwicklungsumgebung und eine unkomplizierte Ausbaufähigkeit zurückzuführen. 'BASIC' bedeutet 'Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code'.
Zur Programmiersprache
Die Versionen vor VB.NET waren nur eingeschränkt objektorientiert. So konnte man zwar Objekte erstellen und benutzen, Polymorphie über Interfaces implementieren, jedoch nicht ableiten und erweitern. Unter der neuesten Version, VB.NET, die neben C# eine der Sprachen des .NET-Frameworks ist, gelten diese Einschränkungen nicht mehr. Sowohl in VB-Classic als auch in VB.NET wird das statische Linken von Programmbibliotheken nicht unterstützt. Die neuen Möglichkeiten in VB.NET bedeuten aber auch, dass das Programmieren mit VB.NET komplexer geworden ist. Trotzdem ist Visual Basic für viele leichter zu erlernen als andere höhere Programmiersprachen wie beispielsweise Java, C oder C++. Visual Basic bietet die Möglichkeit, über ein API auf so genannte Einsprungs-DLLs zuzugreifen und hat somit einen sehr großen Möglichkeitsbereich, auch auf andere Programme einzuwirken.
Vor- und Nachteile
Es wird oft behauptet, dass Visual Basic-Anwendungen langsamer ausgeführt würden als etwa in reinem C geschriebene Programme. Diese Behauptung ist zum Teil darauf begründet, dass bis zur Version 4 VB-Programme zwangsläufig interpretiert wurden. Für die Versionen VB5 und VB6, die Compileroptimierungen für nativen Code anbieten (ohne damit die Laufzeitdateien zu erübrigen), sind solche Unterschiede reduziert worden.
Die Zeit, die man für die Entwicklung eines Programms mit Visual Basic benötigt, macht bei einfachen C oder C++ (siehe Rapid Application Development) aus. Dadurch eignet sich Visual Basic herausragend für Prototypen auch komplexester Anwendungen, die in beliebigen Sprachen implementiert werden sollen. Durch die bis VB6 nur eingeschränkt zur Verfügung stehende Objektorientierung kann sich dieser Zeitgewinn bei umfangreichen Projekten, in denen der Vererbung eine zentrale Rolle zukommt, relativieren. Mit VB .NET steht eine voll objektorientierte Sprache zur Verfügung, die sämtliche dieser Nachteile nicht mehr aufweist.
VB war vor Microsoft .NET nicht plattformunabhängig, sondern nur für Windows verfügbar. Alternativen sind plattformunabhängige Programmiersprachen wie Java, auf allen Plattformen verfügbare Sprachen wie C (die aber oft schwierig portierbar sind) oder je nach Anwendungsgebiet Scriptsprachen wie PHP, Perl, Python oder Tcl.
In Visual Basic bis Version 6 geschriebene Anwendungen und Komponenten benötigen, wie viele andere Programmiersprachen auch, zusätzliche Laufzeitdateien und sind daher nicht vollkommen autark lauffähig. VB-Programme werden daher auf Zielrechnern i.A. installiert. Dieses Schicksal teilen heute sämtliche .NET-Sprachen (dort werden die Laufzeitdateien als "Framework" bezeichnet).
Das bisherige Visual Basic-Alleinstellungsmerkmal einer herausragenden Oberflächen-Entwicklungsumgebung wurde mit Microsoft .NET durch das Konzept der Windows Forms allen .NET-Sprachen zugänglich gemacht. Mit Visual Studio .NET profitieren davon C++, C# und Visual Basic .NET.